Ganz ohne Brimborium

Wie kann ich beten? Viele Menschen haben ihre Not mit dem Gebet, sogar große Heilige. Dabei ist Beten überhaupt nicht schwer, wie der folgende Text zeigt. Einfach die Tür aufmachen, einfach anfangen und dabei „einfach“ bleiben!

Von Katja Schmid

Füreinander beten. Machen wir das noch? Und wie kommt man dazu? „Ich bete für Euch“, hört sich echt komisch an. Eine Zeit lang konnte ich das gar nicht annehmen. Wenn Oma sagte, ich bete für Dich, antwortete ich „Lass mal, Gott hat Besseres zu tun, als sich um meinen Kleinkram zu kümmern!“ Aber ist das so? Heute weiß ich, dass Oma das gerne gemacht hat – für uns alle zu beten. Sie zündete dann ihre schöne geweihte Kerze an und machte Gott die Tür auf. Und irgendwie klappte es.

Das zeigt mir – mit Gott kann man normal reden. Der Pater in der Gemeinde meiner Kindheit sagte immer: „Am kraftvollsten sind die Gebete, die direkt vom Herzen nach oben gehen.“ Es bedürfe keiner großen Worte. Gott kenne unsere tiefsten Sehnsüchte und Wünsche. Besser als wir selbst. Tatsächlich solle man sich als Mensch darüber klar sein, dass es immer mal wieder Zeiten geben werde, in denen wir nicht mal mehr beten könnten. In denen wir keine Worte finden würden, oder vielleicht gar nicht wüssten, was jetzt gut wäre. Dann sei es am besten zu sagen: „Herr, in Deine Hände lege ich mich.“ Diesen Satz fand ich schon als Kind tröstlich und gut. Ein simpler Zugang zu Gott, ohne großes Palaver. Ohne Brimborium. Kinder beten so. Sie sitzen auf einer Blumenwiese und rufen „Danke, lieber Gott.“

"Wie schön, dass ich am Leben bin!"

 

Schön, dass ich am Leben bin!
Schon das ist irgendwie ein Gebet
– zumindest ein guter Anfang.

Meine Jüngste fand ich eines morgens mit wild zerzausten Haaren auf dem Trampolin, sie sprang hoch in die Luft und brüllte dabei: „Wie schön, dass ich am Leben bin!“ Auch irgendwie eine Form des Gebets, wenn auch recht abstrakt, das gebe ich zu. Aber sind es nicht gerade diese kleinen Feuerwerke von Emotionen, die am leichtesten zu Gott fliegen? Manchmal habe ich das Gefühl, wenn ich voller Dankbarkeit an Gott denke und spüre, wie dankbar und glücklich ich bin, schwingt gleich eine Welle der Liebe zu mir zurück.

Und selten habe ich es erlebt, dass in Schmerz und Kummer ein weinendes Gebet, mit Schluchzen und zitternden Schultern, ungehört verhallte. Im Gegenteil. Natürlich, Gott ist noch nie leibhaftig bei jemandem hereinspaziert. Wer weiß, was das für Folgen hätte. Aber Gott schickt seine Helfer. In Form von Mensch und Tier. Es liegt am Menschen, ob er diese Botschaften empfängt, ob sein Herz offen dafür ist. Dann ist ein Gebet wie ein Lichtstrahl. Es hält. Stärkt den Rücken. Leuchtet den Weg. Etwas, das jeder Mensch spüren sollte. Ein Geschenk des Himmels im besten Sinn. Und wir haben es in der Hand. Warum also nicht hin und wieder das Licht anmachen – für uns selbst und für andere.

Dieser Artikel erschien erstmalig in der KirchenZeitung des Bistums Hildesheim (Ausgabe vom 31. Juli 2022).

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