Hans-Joachim Leciejewski + 05. Juni 2021

Von Gott in die Ewigkeit berufen wurde am 05. Juni 2021 plötzlich Herr Pfarrer Hans- Joachim Leciejewski, wohnhaft in 38124 Braunschweig.

Pfarrer Hans-Joachim Leciejewski war in unserer Gemeinde vielfältig tätig. Er war auch geistiger Leiter des ökumenischen Bibelkreises an St. Elisabeth / Wendeburg.

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Ansprache beim Gedenkgottesdienst am 10.07.2021 in St. Elisabeth Wendeburg

Liebe Gemeindemitglieder, zu welcher Gemeinde oder Gemeinschaft Sie auch gehören mögen.

Wir wollen heute unseres so plötzlich verstorbenen Seelsorgers Hans-Joachim Leciejewski gedenken, wir wollen von ihm Abschied nehmen und ihm mit dieser Feier die letzte Ehre erweisen. Vor diesem endgültigen Abschied stehen wir voll Schmerz und ziemlich ratlos da. Für den endgültigen Abschied von einem über viele Jahre vertraut gewordenen Seelsorger haben wir als Christen das Wort Gottes, an das wir uns halten können und das ihm und uns eine Zukunft in Gottes Hand verspricht. Unser Glaube sagt uns, dass der Tod nicht das Ende ist, sondern der Beginn eines neuen Lebens, über das wir allerdings wenig wissen.

In der Lesung aus dem Buch Kohelet, nach der Alles seine Zeit hat, wird das Sterben in dem ersten Beispiel-Paar genannt: Es gibt eine Zeit fürs Sterben, egal ob es unvermutet, ja katastrophal kommt oder ob es sich über einen langen Zeitraum abzeichnet. Aber, wie es der Heilige Franz von Sales (1567 - 1622) sagt: Das Leben ist kurz, aber doch von unendlichem Wert, denn es birgt den Keim der Ewigkeit in sich.

Wir haben eben in der Lesung gehört: „In meines Vaters Haus gibt es viele Wohnungen. Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten“ (Joh. 14, 1-2). Diese Ankündigung Jesu kann uns Trost geben und Zuversicht. Wir dürfen gewiss sein, dass der Verstorbene darauf vertraute, dass auch er eine solche Wohnung finden würde. Das Thema „Wohnen“ hat ihn vielfältig beschäftigt, er hat im Laufe von Studium und Ausbildung mit verschiedenen Personengruppen zusammengelebt und er war Vorsitzender des Vereins Christliches Gemeinschaftshaus Sankt Auctor zu Braunschweig, er sah es als Modell gegen Vereinzelung und Vereinsamung. Und gerade so möchte man sich die Wohnungen im Himmel vorstellen.

Und das Besondere ist, dass Jesus diese Wohnung selbst für uns herrichtet und dass wir dort wohnen können, umfangen von Gott, ohne Angst und Not, ohne Leid und Schmerz. Den Einzug in dieses Haus Gottes können wir feiern als Gemeinde, der unser verstorbener Seelsorger Hans-Joachim. Leciejewski so oft in seinen Gottesdiensten das christliche Leben erläutert hat, der für uns die Eucharistiefeier in so wunderbarer Weise begangen hat. Verschiedene Gemeindemitglieder haben gerade das im Gespräch über den Verstorbenen besonders betont. Dieser Tod ist für uns aber auch eine Katastrophe im Sinne eines folgenschweren Unglücks. Ein Ereignis, bei dem es zu einer Umkehrung der Verhältnisse kommt, bei dem das Unterste zu Oberst gedreht wird. Der Tod von Pfarrer Leciejewski ist im vollen Sinn eine solche Katastrophe. Für seine Familie, für seine Freunde, für alle, denen er als Präses oder geistiger Ratgeber zur Seite stand und in den vielfältigen Ehrenämtern. Und so auch für unsere Gemeinde und besonders auch für einige ihrer Gemeinschaften.

Nun ist all dieses, sein Vorangehen und sein Verbinden innerhalb der Gemeinschaften und zwischen den Gemeinschaften vorbei. Ich möchte sagen, wir hatten das große Glück, dass Pfarrer Leciejewski uns gefunden hat und dass wir ihn gewonnen haben, mit und für uns als Priester zu wirken und u.a. auch den ökumenischen Bibelkreis zu leiten. Es war ja auch klar, dass nur wenige am Auferstehungsamt in Wolfenbüttel teilnehmen konnten, das unser Bischof am 19.6.2021 gefeiert hat und die Beisetzung fand ohnehin im engen Familienkreis statt. Die erwähnte Katastrophe liegt auch besonders darin, dass es für Pfarrer Leciejewski keinen gleichwertigen, ja gar keinen Ersatz geben wird. Wir müssen daher versuchen, Aktivitäten, bei denen er wichtiger Teilnehmer war, am Leben zu erhalten. Das gilt besonders für den ökumenischen Bibelkreis, den er seit über 10 Jahren geleitet hat. Die Mitglieder des Bibelkreises sind eingeladen, im Anschluss an diesen Gottesdienst darüber zu diskutieren und Möglichkeiten für eine Fortsetzung aufzuzeigen.

Eine besonders enge Bindung hatte Pfarrer Leciejewski zur Musik. Begabt mit einer kraftvollen Stimme engagierte er sich für die Kirchenmusik in jeder einzelnen Messe und im ganzen Bistum und er war auch der faktische Präses unseres Kirchenchores, dem er mit Rat und Tat zur Seite stand. Und all dies ist jäh zu Ende gegangen. Unsere christliche Hoffnung kann sich auf den eingangs zitierten Satz, den letzten des Matthäus-Evangeliums stützen: Und seht, ich bin bei euch, alle Tage, bis ans Ende der Welt. Das kann uns genug sein für heute und auch für die Zukunft. Für uns als Lebende, und für die Verstorbenen. Ich bin bei euch, jetzt und hier, ich bin bei Euch auf eurem weiteren Lebensweg, und ich bin bei euch darüber hinaus, wenn ihr sterbt, wenn ihr verstorben seid und bis zum jüngsten Tag. Wenn wir an den christlichen Gott glauben, sollte dieser Satz uns Zuversicht geben.

Pfarrer Hans-Joachim Leciejewski hat sein Leben in Gottes Hand zurückgeben müssen, für uns schwer fassbar, aus dem vollen Leben. Wir dürfen aber gläubig darauf vertrauen, dass der Gott der Liebe und des Lebens ihm alle Mühen und alle Güte und Liebe, die er unserer Gemeinde geschenkt hat, reichlich belohnen wird. Die folgenden Verse des Dichters Heinz Piontek scheinen mir gerade angesichts der Todesumstände für Pfarrer Leciejewski treffend:

  Da wird ein Ufer zurückbleiben.

   Oder das Ende eines Feldwegs.

  Noch über letzte Lichter hinaus wird es gehen.

  Aufhalten darf uns niemand und nichts !

  Da wird sein unser Mund voll Lachens 

  Die Seele Reiseklar

  Das All nur eine schmale Tür

  Angelweit offen 

 

Otto Larink

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Nachruf von Dorothea Krabiell

Auch ich kannte Pfarrer Leciejewski von den Gottesdiensten, die er in St. Gereon als "Aushilfe" zelebrierte. Mein erster Eindruck: "Etwas altbacken vielleicht, aber in Ordnung". In Erinnerung blieb mir sein Bekenntnis in einer Predigt, er habe Theologie studiert, weil er Gott und die Bibel verstehen wollte. Für mich eine sympathische Begründung und doch ein letztlich wohl unerreichbares Ziel.

Vermutlich ebenso unerreichbar ist der Versuch, die Person Hans-Joachim Leciejewski in allen Facetten zu kennen und zu verstehen. Dies wurde mir vor allem beim beeindruckenden Requiem in St. Ansgar, Wolfenüttel klar. Wussten Sie, dass er dort seine Primiz gefeiert hat? Dass er sich außer für Kirchenmusik auch mit Leidenschaft für das Heilige Land interessierte? Er war sogar Mitglied im "Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem" und einige seiner Ordensbrüder und -schwestern kamen nach Wolfenbüttel, um ihm - in ihrer historischen Uniform - die letzte Ehre zu erweisen.

Erstaunt hörte ich dort, dass Herr Leciejewski sogar eine Ausbildung als Tauchlehrer hatte (und wohl auch in Ausübung dieses Hobbies starb). Bei diesen vielseitigen Leidenschaften passt es schon eher ins Bild, dass er sich weigerte, sich von der Bistumsleitung auf die Rolle eines händeringend gesuchten, "normalen" Gemeinde-Pfarrers festlegen zu lassen. Er wollte sich lieber die Freiheit bewahren, seinen Leidenschaften (Kirchenmusik, Reisen ins Heilige Land,... ) nachzugehen.

Dieser Wunsch nach Freiheit hinderte ihn aber nicht, in unserer Gemeinde dort zur Stelle zu sein, wo er als Priester gebraucht wurde. So kam auch ich in den Genuss, als Katechetin den einen oder anderen Familiengottesdienst mit ihm vorzubereiten.

Er war dabei definitiv kein Mensch, der zu allen unseren Vorschlägen "Ja und Amen" sagte aber auch niemand, der ohne Begründung "Nein! Verboten!" verkündete. Gerade habe ich nochmal seine ausführliche Antwortmail auf einen Gottesdienstvorschlag von mir und einer Mitkatechetin gelesen: Er ist darin ausführlich auf die verschienden Elemente (Text- und Liedvorschläge) eingegangen und hat nicht mit konkretem Lob gespart. Seine Kritikpunkte hat er ausführlich begründet und gute Gegenvorschläge gemacht. Im Grunde ist die ganze Mail ein Lehrstück zum Thema Liturgie, Kirchenmusik UND guter Kommunikation.

Die Auseinandersetzung mit seiner Kritik war zwar für mich zunächst etwas nervenaufreibend, zumal ich in manchen Punkten nicht klaglos nachgeben wollte. Aber schlussendlich habe ich doch viel dadurch gelernt und bin daran gewachsen. Seine anerkennenden Worte in der Sakristei kurz vor Beginn des diskutierten Familiengottesdienstes erfüllen mich bis heute mit besonderem Stolz.

Der letzte beeindruckendende Gottesdienst, in dem ich ihn als Zelebrant erlebte, war das Requiem für eine liebe Ehrenamtskollegin aus Vechelde, die Ende letzten Jahres an Corona starb. Pfarrer Leciejewski hatte die Trauerfeier offenbar gut vorbereitet und musikalisch - so gut wie unter Corona-Beschränkungen möglich - schön gestaltet. Er vergaß nicht, den Pflegern zu danken, die es trotz aller Auflagen ermöglicht hatten, dass er im Vorfeld zur Krankensalbung ins Pflegeheim kommen durfte. Besonders anrührend war das Auferstehungsamt auch, weil selbst ihm bei der Predigt die Stimme brach.

Ich erinnere noch diesen Satz, den er bei diesem Anlass sprach: "Die Kirche der Zukunft wird eine so andere sein". Er sagte dies nicht etwa mit einem resignierten Unterton, sondern auf eine Art, die zwar ein Noch-Nicht Verstehen-Können ausdrückte, aber auch ein bewunderndes Staunen über die Veränderungen die sich abzeichnen.

Leider wird er diese Kirche der Zukunft nicht mehr aktiv mitgestalten können. Aber er hat zu Lebzeiten sein Bestes gegeben, dass wir auch die Werte aus der Vergangenheit der Kirche, insbesondere der Kirchenmusik, zu schätzen lernen und somit gerne in die Zukunft tragen.

Außer mir werden sicherlich viele Gemeindemitglieder seine Hilfsbereitschaft, seine kluge, aber niemals überhebliche Art und seinen feinen Humor vermissen. Ein großer Dank in den Himmel, für alles, was Hans-Joachim Leciejewski im Großen wie im Kleinen, öffentlich und im Stillen für unsere Gemeinde und die Menschen hier vor Ort geleistet hat!

gezeichnet Dorothea Krabiell

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Nachruf von Michael Stelzer

Die erste Begegnung mit Pfarrer Hans-Joachim Leciejewski hatte ich bereits in der Zeit, als ich noch Messdiener war. Er war öfter als Vertretungspfarrer in unsere Gemeinde gekommen. Schon damals fielen mir seine herausragenden Predigten und sein Gesangstalent positiv auf. Sein musikalisches Interesse führte ihn auch zu dem ein oder anderen Konzert des Musikzuges, vornehmlich in der Vorweihnachtszeit.

Vor wenigen Jahren erfuhr ich, dass er immer wieder auch Reisen nach Israel anbot, was von vielen Gemeindemitgliedern begeistert angenommen wurde. Das weckte wiederum im Jahr 2018 auch mein Interesse, und somit fragte ich ihn im Spätsommer 2018 nach einer zukünftigen Reise. Nur zwei Wochen später erhielt ich von ihm persönlich an mich adressierte Unterlagen in einem DIN A5-Umschlag inkl. Anmeldung.

Zum Glück habe ich das Angebot wahrgenommen und konnte sogar die Frau eines Freundes und auch einen direkten Arbeitskollegen dafür gewinnen. Obwohl beide einer anderen Konfession angehören, war es für Pfarrer Leciejewski nie ein Problem. Die Sympathie war auf beiden Seiten von Anfang an vorhanden. Die Reise nach Israel, Jordanien und Palästina fand im Herbst 2019 statt und wir durften ihn dort unter anderem als sehr engagierten Reiseleiter bzw. Guide kennenlernen, der ein sehr umfangreiches theologisches Wissen präsentierte. Diese Reise wird uns stets in sehr guter Erinnerung bleiben, ebenso die Persönlichkeit von Hans-Joachim.

Noch Anfang Februar 2021 zelebrierte Hans-Joachim Leciejewski auf Wunsch meiner Eltern die Messe anlässlich ihrer Goldhochzeit.

Sein plötzlicher und tragischer Tod am 05.06.2021 hat uns alle sehr betroffen gemacht. Wir werden ihn stets als loyalen, liebenswerten und toleranten Menschen in Erinnerung behalten.

gez. Michael Stelzer

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Nachruf vonThomas Viezens (Dommusikdirektor am Hohen Dom zu Hildesheim; Kirchenmusikreferent des Bistums Hildesheim)

Liebe Damen und Herren,

Sie haben in der Vergangenheit an der „Werkwoche für Liturgie und Kirchenmusik“ teilgenommen. Fast bei jeder dieser Fortbildungen seit den frühen 2000er Jahren war Pfarrer Hans-Joachim Leciejewski als geistlicher Begleiter dabei. Er stand den verschiedenen Gottesdiensten vor, war selbst Arbeitskreisteilnehmer und nahm rege an den verschiedenen Gesprächsrunden teil.

Am vergangenen Samstag, den 5. Juni 2021, am Fest des Hl. Bonifatius, ist Pfarrer Leciejewski im Alter von 67 Jahren plötzlich und unerwartet verstorben. In der Präfation am Fest des Hl. Bonifatius wird dieser als ein unermüdlicher Sämann des Wortes Gottes bezeichnet, als ein Verkünder der Frohen Botschaft an viele Völker. Dies trifft auch auf Pfr. Leciejewski zu. Zudem hat er das Wort Gottes gern singend verkündet. Er war für die Kirchenmusik unseres Bistums ein wichtiger Streiter, jemand, der die Möglichkeiten der Kirchenmusik erkannt und diese – dort wo er es konnte – gewinnbringend eingesetzt hat gemäß der Aussage Christi „Ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr Frucht bringt“ (nach Joh 15, 16a). Wir verlieren in Pfarrer Hans-Joachim Leciejewski einen wichtigen Fürsprecher.

Ich bitte alle darum, den Verstorbenen in das eigene Gebet einzuschließen.

Viele Grüße

Thomas Viezens