Vechelder Ex-Pfarrer: Indien ächzt unter Corona

Sabukuttan Francis („Pater Sabu“) bittet weiterhin um Spenden für sein Heimatland: Es fehlt praktisch an allem.

Lesen Sie den Artikel von Harald Meyer aus der BZ vom 18.05.21. Wir danken den Peiner Nachrichten für die Genehmigung der Veröffentlichung.

Unfassbare Leichenberge: Bilder aus Indien wie diese sind um die Welt gegangen – ein Milliarden-Volk ächzt unter der Corona-Pandemie. Eine Tragödie, die Sabukuttan Francis als Provinzial im Nordosten Indiens hautnah erlebt. Eine Tragödie, die sich mit Spendengeldern lindern lässt – deshalb bittet Pater Sabu, wie er als katholischer Pfarrer in Vechelde, Wendeburg und Braunschweig-Lehndorf liebevoll genannt worden ist, weiterhin inständig um finanzielle Unterstützung.

Unglaublich: Bis Ende des vergangenen Jahres sind bei dieser Hilfsaktion53.500 Euro für Corona-Opfer in Indien eingegangen. Weitere 6000 Euro seien es in diesem Jahr, 6000 Euro seien ihm zudem zugesagt – das berichtet der Vechelder Adolf Bialas, der mit Pater Sabu befreundet ist und die Spendenaktion organisiert. „Die Beträge zeigen, dass Pater Sabu bei vielen hier bei uns in guter Erinnerung ist“, ist Bialas überzeugt. Unter den Spendern seien Mitglieder der katholischen Kirchengemeinde, aber auch viele andere. „Jeder Cent, der gegeben wird, kommt eins zu eins bei Pater Sabu und damit bei den Bedürftigen in Indien an“, versichert der Ruheständler aus Vechelde.

"Bei uns ist es viel schlimmer als das, was man von uns hört"

Geld, das dringend benötigt wird, denn über die Situation in dem riesigen asiatischen Land sagt Francis: „Bei uns ist es viel schlimmer als das, was man von uns hört und liest.“ Die Zahlen, die der Geistliche nennt, lassen das Ausmaß erahnen: Demnach habe Indien mit seinen rund 1,4 Milliarden Einwohnern „weltweit die Hälfte aller Corona-Fälle und etwa 30 Prozent der Todesfälle“. Hoffnungslosigkeit klingt durch, wenn Francis meint: „Keine Regierung, keine Nicht-Regierungs-Organisation, kein Krankenhaus kann uns retten.“

Anfang des Jahres habe die Meinung vorgeherrscht, Indien habe die Herdenimmunität erreicht, die Pandemie sei also (fast) überwunden. „Große Menschenmengen kamen zu Wahlkampagnen, religiösen Festivals und Großveranstaltungen zusammen“, beschreibt Pater Sabu – ein fataler Fehler. Seines Wissens sind auch neun Priester gestorben, obwohl sie die Corona-Vorgaben strikt eingehalten hätten. Die Corona-Zahlen seien inzwischen nicht nur in den Städten hoch, sondern auch auf dem Lande. „Die medizinische Versorgung auf dem Landes ist sehr schlecht – deshalb wird die Zahl der Todesfälle dort noch steigen“, ist der 56-Jährige überzeugt. Die Mängelliste ist lang: Die Krankenhäuser sind voll belegt, es fehlt an lebenswichtiger Medizin, aber auch an Sauerstoffflaschen, Ärzten und Krankenschwester. „Die Inder bekommen keine zweite Impfung, geschweige denn die erste, weil Impfstoff fehlt“, schlägt Francis Alarm: „Es ist traurig zu sehen, wie die Tochter ihrer Corona-infizierten Mutter vor dem Krankenhaus eine Mund-zu-Mund-Beatmung gibt.“ Vor dem Krematorium lägen unzählige Leichname, um verbrannt zu werden. Auch im heiligen Fluss Ganges seien Tote gesehen worden.

"Viele haben keine Möglichkeit zu überleben"

„Niemand ist hier sicher, bis jeder sicher ist“: Davon ist Pater Sabu überzeugt. Die Pandemie könne nur besiegt werden, wenn sie in ganz Indien unter Kontrolle gebracht worden sei. Doch davon kann keine Rede sein. „Die Tagelöhner, die Immigrantenarbeiter, die Obdachlosen, die armen Familien haben keine Möglichkeit zu überleben“, stellt Francis schockiert fest: „Auch die Kinder, die ein Elternteil, und die Frauen, die ihre Männer verloren haben, brauchen Hilfe.“

Die arme Bevölkerung in Indien benötigt finanzielle Hilfe – deshalb ist jeder Euro wichtig. „Sanitätskasten, gekochtes Essen, Lebensmittelpakete, Immunitätsverstärkerpakete, Sauerstoffkonzentrator gehören zu den dringend benötigten Hilfsmitteln“, zählt Pater Sabu auf: „Ein Hilfspaket für eine Person kostet etwa acht Euro.“ Zusammen mit Adolf Bialas bittet Pater Sabu um Spenden – sie können eingezahlt werden auf folgendes Konto (Stichwort „Hilfsaktion Nordost-Indien“) bei der Volksbank in Vechelde: IBAN DE51270925553517492703; BIC GENODEF1WFV. Kontoinhaber ist Adolf Bialas. Die katholische Kirchengemeinde stellt Spendenbescheinigungen aus.

 

Kolumne "Guten Morgen" von Harald Meyer:

Danksagung an Pater Sabu

Wie sie Peter Sabu hier bei uns gemocht haben, zeigt sich nun bei der Spendenaktion für Indien anhand der Euro.

Corona macht großzügig“, lauten Schlagzeilen in der Pandemie. Dass es aber solche Ausmaß annimmt, ist der helle Wahnsinn: Im vergangenen Jahr hat die Bevölkerung unter anderem aus dem Peiner Ostkreis sage und schreibe 53.500 Euro für Corona-Opfer in Indien gespendet; inzwischen sind weitere 6000 Euro eingegangen, zudem sind 6000 Euro zugesagt.

Wie kann es – bei aller gestiegener Spendenbereitschaft – zu diesen unglaublichen Summen kommen? Noch dazu für ein Land – Indien –, das für die meisten buchstäblich sehr weit weg sein dürfte. Die Antwort ist einfach, und sie lautet: Pater Sabu. Pfarrer Sabukuttan Francis, liebevoll „Pater Sabu“ genannt, hat im September 2019 nach zehn Jahren die katholische Kirchengemeinde Vechelde/Wendeburg/Braunschweig-Lehndorf in Richtung seines Heimatlands Indien verlassen. Doch wie sie ihn hier bei uns gemocht haben, zeigt sich nun anhand der Euro.

 

Lesen Sie hier auch mehr über die "Hilfsaktion Nordostindien".